Sind effektive Abrechnung und Option keine Option für Spitäler?

Beitrag von Jeannette Bucher, pwc Basel
Eine Option nach Art. 22 MWSTG ist bei der Anwendung der Abrechnung mittels Pauschalsteuersätzen nur in wenigen Ausnahmen möglich (Ausnahme: Option für Art. 21 Abs. 2 Ziff. 26 und Art. 21 Abs. 2 Ziff. 28 MWSTG).

Die wenigsten Spitäler in der Schweiz haben den Schritt zur effektiven Abrechnung (anstatt Pauschalsteuersätzen) gewagt; die Beweggründe sind unterschiedlich. Spitälern, welche Teil einer MWST-Gruppe sind, ist es verwehrt, mittels Pauschalsteuersätzen abzurechnen, sie müssen nach der effektiven Methode abrechnen und somit die angefallenen Vorsteuern direkt den Erträgen zuordnen resp. mithilfe eines Schlüssels ermitteln. Die Bildung einer MWST-Gruppe und Abrechnung nach der effektiven Methode bringt finanzielle Vorteile; für die Umstellung bedarf es eines Initialaufwandes, welcher sich aber im Vergleich zum finanziellen Vorteil in der MWST-Gruppe in jedem Fall bezahlt macht.

Neben dem Wohnungs- und Industriebau (Fabrik, Büro etc.) gehören die Spitäler derzeit vermutlich mit zu den Spitzenreitern bzgl. Themen wie Um- oder Neubau oder allenfalls nur Sanierung. Die Investitionssummen bewegen sich dabei bei den einzelnen Spitälern im zwei- bis dreistelligen Millionenbereich, wovon 8% auf die MWST entfallen. Diese 8% stellen bei Spitälern, welche mit der Pauschalsteuersatzmethode abrechnen, eine definitive Kostenbelastung dar. Allein bei einem Wechsel auf die effektive Abrechnung könnten die Spitäler zumindest einen Teil dieser angefallenen MWST geltend machen. Mit weiteren Optimierungen, z.B. mieten die Spitäler diese Immobilien optiert vom Investor, können bei einer Gesamtbetrachtung „Spital – Investor“ erfahrungsgemäss Einsparungen der MWST-Kosten von 2 – 4% der Investitionssumme erreicht werden.

Vielen Spitälern, welche Räumlichkeiten an Dritte vermieten, ist auch über 2 Jahre nach Einführung des aktuellen MWSTG und der damit neuen Optionsregelung nicht bewusst, dass eine Option nur noch ausgeschlossen ist, wenn die Räumlichkeiten ausschliesslich für private Zwecke genutzt werden.

Das neue KVG verlangt nebst mehr Wirtschaftlichkeit auch mehr Wettbewerb im Gesundheitswesen. Von dieser Neuorientierung im Schweizerischen Gesundheitswesen sind auch und gerade die Spitäler betroffen. Die Konkurrenzfähigkeit gegenüber den privaten Anbietern und die Flexibilität im Hinblick auf künftige Anforderungen verlangt auch, dass nicht nur politischen Aspekten Beachtung geschenkt wird, sondern auch frühzeitig steuerliche Fragen bei der Umgestaltung des ganzen Gesundheitswesens mitberücksichtigt werden.

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