Déformation professionnelle oder was ist hier falsch?

Zugegeben; ich leider unter „deformation professionnelle“. Immer wenn ich mich im Ausland meinen kulinarischen Genüssen hingebe studiere ich anschliessend die Rechnung mit dem kritischen Auge des MWST-Experten. Ein besonders schönes Exemplar ist mir in Spanien unter die Augen gekommen.

Um diese Rechnung beurteilen zu können, sind ein paar Grundkenntnisse zur spanischen MWST nötig. Der normale MWST-Satz beträgt seit 1. September 2012 21%, der reduzierte Satz liegt bei 10%. Dieser Satz kommt unter anderem auf Leistungen des Gastgewerbes zur Anwendung. Im Gegensatz zur Lösung in der Schweiz wird dabei nicht unterschieden zwischen alkoholischen Getränken und den übrigen gastgewerblichen Leistungen.

Die Rechnung enthält den korrekten Hinweis „IVA 10“, was allein schon keine Selbstverständlichkeit ist. Der Steuersatz ist nämlich mit einer nur sehr kurzen Vorlaufzeit per 1. September 2012 von 8% auf 10% erhöht worden. Aber bei einem Rechnungsbetrag von Euro 39.70 müsste der MWST-Betrag sicher mehr als Euro 1.93 betragen.

Die Antwort zu dieser Differenz findet sich in der unterschiedlichen Preisgestaltung des Lokals. Die Tapas und die Getränke verstehen sich inklusive MWST, die Speisen exklusive MWST. So sind die Preise übrigens auch im Lokal angeschrieben. In der Schweiz wäre ein solches Vorgehen nicht mit der Preisbekanntgabeverordnung vereinbar. Die Preise an die Konsumenten müssen immer inklusive MWST angegeben werden. Fragen Sie mich nicht, ob es eine ähnliche Regelung auch in Spanien gibt.

Ein offenes Geheimnis bleibt auch, ob der Wirt die Berechnung der geschuldeten MWST im Griff hat. Es ist in der Tat nicht einfach. Da wohl auch in Spanien der Grundsatz gilt, dass auf das geleistete Entgelt abgestellt wird, wäre die geschuldete MWST auf dem Entgelt von Euro 41.63 (lassen wir mal das Spezialthema Trinkgeld auf der Seite) inkl. 10% MWST zu berechnen. Die geschuldete MWST würde so Euro 3.78 betragen. Das Zwischentotal von Euro 39.70 kann auf jeden Fall nicht Ausgangspunkt der Berechnung sein, sonst bezahlt der Wirt zuviel MWST.

Wenn Sie sich nach all diesen Überlegungen fragen, ob ich noch zu „retten“ sei. Seien Sie unbesorgt. Ich habe das Essen unter Freunden genossen und das Thon Tartar gekrönt von einer kleinen Kugel Limettensorbet war herrlich.

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4 Antworten zu Déformation professionnelle oder was ist hier falsch?

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