Ein klassisches Eigentor

Zum Glück war wenigstens der Steuersatz von 7,7% richtig, der ab 1.1.2018 zur Anwendung kommen könnte, wenn das Parlament nicht vorher andere Massnahmen einleitet. Aber sonst habe ich es mit den Gründen für die Steuersatzanpassungen der letzten Zeit nicht so richtig getroffen. Zum Glück habe ich aufmerksame Leser, die mich darauf aufmerksam gemacht  haben.

Die Steuersatzerhöhung von 0,4% (bzw. 0,2% für den Sondersatz und 0,1% für den reduzierten Satz) per 1.1.2011 dient ausschliesslich der Finanzierung der Invalidenversicherung und ist bis 31.12.2017 begrenzt. Ab 1.1.2018 wird die MWST um 0,1% erhöht, um die Finanzierung der Eisenbahninfrastruktur zu sichern. Die Erhöhung ist befristet bis Ende 2020. Dann endet gemäss Art. 196 Ziff. 14 Abs. 1 Bundesverfassung die Erhebungskompetenz zur MWST. Wird die MWST auch nach Ende 2020 fortgeführt, so gilt die 0,1% Erhöhung bis längstens Ende 2030.

Ein anderer Leser hat sich beschwert, dass ich mich für die Beibehaltung des Steuersatzes von 8% einsetze. Seiner Meinung nach könnten 99% der Betriebe Kosten sparen, wenn die MWST reduziert würde. Diese Meinung kann ich nicht teilen. Für viele Unternehmen ist die MWST neutral, weil sie die MWST auf dem Umsatz auf ihre Abnehmer überwälzen können und den vollen Vorsteuerabzug geltend machen können. Dies trifft für alle Unternehmen zu, die zu ihren Kunden Steuerpflichtige zählen, die ebenfalls 100% der Vorsteuern abziehen können. Aber ich will trotzdem keineswegs den Eindruck erwecken, dass ich für höhere MWST-Sätze einstehe. Die aktuelle Finanzlage des Bundes wird es aber kaum zulassen, dauerhaft auf die 0,3% MWST-Einnahmen zu verzichten. Und wenn wir davon ausgehen, dass nach einer Senkung auf 7,7% kurze Zeit später wieder eine Erhöhung folgt, dann verursacht dies unnötigen Aufwand.

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Eine Antwort zu Ein klassisches Eigentor

  1. Ueli Müller schreibt:

    Was für eine Ehre, es in Ihren Beitrag geschafft zu haben ;) Ich kann Ihre Argumentation ebenfalls nachvollziehen – denke hier aber einwenig anders, denn was machen Sie, wenn Sie psychologisch sinnvolle Preise einsetzen wie z.B. CHF 98.00 für ein Bartpflegemittel. Viele Unternehmen haben seit Jahren dieselben Preise und haben nie MWST-Erhöhungen weiterverrechnet. Die Hemmschwelle steigt sofort bei einem Preis von CHF 101.95 nur um ein Beispiel zu machen. Die Unternehmen haben auf Marge verzichtet. Daher bin ich hier etwas sensibel unterwegs. Mir ist bewusst, dass die Politik diese Ansicht nicht vertritt und argumentiert, dass der Endkonsument die MWST trägt. Aber danke für die Erläuterung und ein tolles Weekend!

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