Ist bei Banken pauschal pauschal oder doch nicht?

Die meisten Banken wenden für die Geltendmachung des Vorsteuerabzugs die Bankenpauschale an. Es ist eine Pauschale, die auf der Basis eines modifizierten Umsatzschlüssels den Prozentsatz des Vorsteuerabzugs ermittelt. Diesen Prozentsatz wenden die Banken auf den gesamten angefallenen Vorsteuern an. Die Methode hat den Vorteil, dass die Vorsteuern nicht den steuerbaren bzw. den ausgenommenen Leistungen zugeordnet werden müssen. Die administrativen Vereinfachungen, die diese Methode mit sich bringt, werden von allen Banken begrüsst.

Die Methode hat aber auch den Nachteil, dass sich ausserordentliche Ereignisse, wie z.B. hohe Dividendenzahlungen, Schadenersatzzahlungen oder Gewinne bei Veräusserungen eines Teils der Bank sehr negativ auf die Höhe des Vorsteuerabzugs auswirken. So sind Konstellationen möglich, die aufgrund der Methodik der Bankenpauschale in einem Jahr zu einem über 20% tieferen Vorsteuerabzug führen können.

Gemäss Art. 68 MWSTV kann die steuerpflichtige Person zur Berechnung der Korrektur des Vorsteuerabzugs eine oder mehrere Methoden anwenden, sofern dies zu einem sachgerechten Ergebnis führt.

Trotz dieses klaren Grundsatzes hat sich die ESTV bisher geweigert, ausserordentliche Verhältnisse bei der Berechnung der Bankenpauschale zu berücksichtigen und sich immer auf den Standpunkt gestellt, dass pauschal eben pauschal sei.

Umso unverständlicher ist nun, dass die ESTV in einem Entwurf zur MWST-Brancheninfo 15 zur Vorsteuerpauschale für Banken folgendes festhält:

bankenpauschale

Dies hätte zur Konsequenz, dass die übernehmende Bank, die eine tiefere (oder höhere) Bankenpauschale hat als die übertragende Bank, Vorsteuern zu korrigieren hat. Und zwar die von der übertragenden Bank in der Vergangenheit geltenden gemachten Vorsteuern. Dies entspricht der Systematik des Meldeverfahrens. Da die Banken bei Anwendung der Bankenpauschale aber immer nur die gesamten Vorsteuern erfassen und für Zwecke der MWST keine Abgrenzung zwischen Investitionen und Aufwendungen machen, ist es nachträglich nur mit einem unverhältnismässigen Aufwand möglich, diese Vorsteuern zu ermitteln.

Wird ein Teil der Bank oder gar die gesamte Bank im Meldeverfahren übertragen, so ist zudem davon auszugehen, dass die Banktätigkeit im gleichen Ausmass weitergeführt wird und hinsichtlich der übertragenen Vermögensgegenstände gar keine Nutzungsänderung eintritt, auch wenn die übernehmende Bank eine tiefere (oder höhere) Bankenpauschale anwendet. Im Folgejahr wird sich die übernommene Aktivität auf die Bankenpauschale auswirken.

Und wenn die ESTV bei der Bankenpauschale schon immer sagt: „pauschal ist pauschal“, so sollte dies auch bei Übertragungen im Meldeverfahren gelten.

Dieser Beitrag wurde unter VAT consulting veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s