Eine erst jetzt erkannte Opportunität

Ich war am Rande in eine Diskussion eines Übungsfalles zur MWST-Ausbildung involviert. Dabei musste ich feststellen, dass Margenbesteuerung und fiktiver Vorsteuerabzug nicht zu meinen Beratungsschwerpunkten zählen. Konkret ging es um den Eintausch eines Occasionsfahrzeuges Ende 2017 und dem Verkauf des aufbereiteten Fahrzeuges anfangs 2018.Per 1.1.2018 ist der fiktive Vorsteuerabzug gemäss Art. 28a MWSTG angepasst worden. Der Abzug ist nicht mehr davon abhängig, dass der Gegenstand für den Wiederverkauf bezogen worden ist. Zudem wurde für Sammlerstücke die Margenbesteuerung (wieder) eingeführt. Damit stellt sich die Frage, wie der Eintausch 2017 zu behandeln ist.

Da die Margenbesteuerung im Garagengewerbe bereits per 1.1.2010 weggefallen ist, kommt es per 1.1.2018 zu keiner Gesetzesänderung. Der Garagist kann den fiktiven Vorsteuerabzug im Quartal des Erwerbs des Occasionsfahrzeuges geltend machen. Wenn er dies – aus welchen Gründen auch immer – unterlassen hat, so kann er dies innerhalb der Verjährungsfrist nachholen. Die Frage einer Abschreibung nach den Bestimmungen der Einlageentsteuerung stellt sich deshalb nicht.

Die Ausweitung des Anwendungsbereichs des fiktiven Vorsteuerabzugs führt aber dazu, dass die fiktive Vorsteuer auch auf beweglichen Gegenständen geltend gemacht werden kann, die vor dem 1.1.2018 von nicht Steuerpflichtigen bezogen worden sind und nun für steuerbare Zwecke verwendet werden. Zu denken ist dabei z.B. an Mobiliar, an Maschinen aber auch an (Geschäfts-)fahrzeuge. Bei solchen Gegenständen ist Art. 113 Abs. 2 MWSTG des Übergangsrechts anwendbar, wonach die Bestimmungen über die Einlageentsteuerung zur Anwendung gelangen, wenn bisher kein Vorsteuerabzugsrecht bestand. Wurde 2017 ein Occasionsfahrzeug von einem Privaten übernommen, das als Geschäftsfahrzeug eingesetzt wird, so kann 2018 ein fiktiver Vorsteuerabzug im Sinne einer Einlageentsteuerung geltend gemacht werden. Dabei ist allerdings ein Abschreiber von 20% zu berücksichtigen, weil der Gegenstand ja bereits 2017 in Gebrauch genommen worden ist.

Es lohnt sich deshalb zu prüfen, ob im Unternehmen in der Zeitspanne 2013 – 2017 bewegliche Gegenstände von Nicht-Steuerpflichtigen bezogen worden sind, die 2018 für steuerbare Zwecke verwendet werden, um nachträglich noch den fiktiven Vorsteuerabzug geltend zu machen.

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