Tipp an institutionelle Anleger – auch indirekt ist ausgenommen

Der Vertrieb und die Verwaltung von Anteilen an kollektiven Kapitalanlagen ist unter den Bedingungen von Art. 21 Abs. 2 Ziff. 19 lit. f MWSTG von der Mehrwertsteuer ausgenommen. Steuerbar sind jedoch die Vermögensverwaltungsleistungen, die dem Anleger erbracht werden. Seit einiger Zeit werden Fonds mit Anteilsklassen angeboten, die sich u.a. vom Anlegerkreis, von der Höhe der Vergütung sowie von der Erfolgsverwendung her unterscheiden. Anteilsklassen „N“ und „S“ zeichnen sich dadurch aus, dass sie nur einem beschränkten Anlegerkreis offen stehen (institutionellen Anlegern) und die Entschädigung der Fondsleitung und ihrer Beauftragten für die Leitung, das Asset Management und gegebenenfalls den Vertrieb nicht dem Fondsvermögen belastet wird, sondern dem Anleger.

Diese indirekte Erbringung von Asset Management Leistungen für das Fondsvermögen ist gemäss Praxis der Eidgenössischen Steuerverwaltung unter bestimmten Bedingungen ebenfalls von der Steuer ausgenommen, auch wenn nicht das Fondsvermögen, sondern der Anleger belastet wird. Wirtschaftlich führt es zum gleichen Ergebnis; die Rendite des Fonds ist zwar höher, dafür sind aber auch die Verwaltungskosten beim Anleger höher.

Wir haben aber nun festgestellt, dass dies in der Praxis nicht immer bekannt ist und Anlegern solche Verwaltungskosten mit MWST belastet werden. Wir empfehlen deshalb den institutionellen Anlegern, ihre Verwaltungskosten auf zu Unrecht fakturierte MWST zu prüfen und allenfalls eine Korrektur der Rechnung zu verlangen.

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Da haben wir uns selbst in den Fuss geschossen

Ein Ziel der Teilrevision des Mehrwertsteuer-Gesetzes (MWSTG) auf den ersten Januar 2018 war die Beseitigung der Wettbewerbsvorteile für ausländische Unternehmen. Nicht zuletzt dem Tessin waren die ausländischen Handwerker ein Dorn im Auge, die in der Schweiz Arbeiten ausführten, ohne dafür die MWST abzuliefern. Mit der Ausweitung der Steuerpflicht, die nun auf den weltweiten Umsatz abstellt, wird jedes ausländische Unternehmen mit einem weltweiten (steuerbaren) Umsatz von über CHF 100’000 schon mit dem ersten Franken Umsatz mit Leistungsort Schweiz steuerpflichtig. Dass dies auch auf inländische Unternehmen Auswirkungen hat, ist wohl vielen gar noch nicht bewusst. Weiterlesen

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Erste Präzisierungen der ESTV zur Versandhandelsregelung ab 1.1.2019

Auf anfangs 2019 wird die Versandhandelsregelung in Kraft treten, die ausländische Versandhändler in der Schweiz in die MWST-Pflicht zwingt, wenn sie mit Kleinsendungen (Steuerbetrag < CHF 5) über CHF 100’000 Umsatz erzielen. Damit wird eine weitere Wettbewerbsverzerrungen zu Lasten der inländischen Anbieter eliminiert. Die ESTV hat dazu nun weiterführende Informationen publiziert: Weiterlesen

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Wo bleiben sie denn?

Eine der Stossrichtungen der Teilrevision des Mehrwertsteuergesetzes (MWSTG), die auf den 1.1.2018 in Kraft getreten ist, ist das Vermeiden von Wettbewerbsverzerrung. Insbesondere die Grenzregionen haben sich schon lange daran gestossen, dass ausländische Unternehmen – insbesondere des Bauhaupt- und nebengewerbes ihre Leistungen in der Schweiz ohne MWST anbieten konnten. Dieses Ziel der Revision hat zu einer wesentlichen Ausweitung der Steuerpflicht ausländischer Unternehmen geführt. So werden (theoretisch) auch sämtliche Hotels weltweit in der Schweiz MWST-pflichtig, wenn sie ihren (Privat-)Kunden mit Wohnsitz in der Schweiz kostenpflichtige elektronische Dienstleistungen – wie z.B. den Zugang zum Internet oder zu Filmen – erbringt. Diese Ausweitung der Steuerpflicht hängt damit zusammen, dass auf den weltweiten Umsatz abgestellt wird und deshalb bereits der erste Franken an Schweizer Kunden die Registrierungspflicht auslöst. Bisher haben sich aber noch nicht alle Hotels weltweit in der Schweiz registrieren lassen. Die ESTV hat im Januar erst rund 5‘000 neue Steuerpflichtige registriert. Dies ist zwar deutlich mehr als in den Vorjahren (Zuwachs bisher rund 3‘000 pro Jahr), aber doch noch deutlich von der Prognose der ESTV entfernt, dass die Teilrevision rund 30‘000 neue Steuerpflichtige bringt.

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Die ESTV könnte viel vom europäischen Gerichtshof lernen

Knapp vor Weihnachten hat der Europäische Gerichtshof einen bemerkenswerten Entscheid gefällt (C-462/16 i.S- Boehringer Ingelheim vom 20. Dezember 2017). Dabei ging es zentral um die Frage von Entgeltsminderungen von Pharmaunternehmen bei Rückerstattungen an Versicherer. Da wir aktuell einen Fall von Entgeltsminderungen mit der ESTV verhandeln, sind die Überlegungen des europäischen Gerichtshofs „Balsam für unsere Seele“. Weiterlesen

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Switzerland or Liechtenstein first?

Im Verhältnis zwischen der Schweiz und Liechtenstein begegnet man im Zusammenhang mit der Mehrwertsteuer (MWST) immer wieder besonderen Konstellationen. Sie hängen damit zusammen, dass das Fürstentum gemäss Art. 3 lit. a MWSTG zum Inland gehört. Weiterlesen

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Was lange währt, verjährt

Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts (BVGer) vom 8. November 2017 (A-5410/2016) behandelte einmal mehr die Ermessenseinschätzung eines Sauna- und Massagebetriebes. Die Frage, ob die Umsätze den Masseurinnen oder dem Betrieb zuzurechnen seien, war nicht mehr strittig. Es ging nur noch um die Höhe der durch den Betrieb zu versteuernden Umsätze. Da aber die Umsätze der Jahre 2000 bis 2004 (!) zur Diskussion standen, wird die Frage der Verjährung zentral. Weiterlesen

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